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Ausgleichzahlungen nach einem Hitzesommer: Wer trägt die Kosten des Klimarisikos?

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Hitze, Trockenheit und Hagel haben 2026 zahlreiche Schweizer Landwirtschaftsbetriebe getroffen. Ernten fielen kleiner aus, Futter wurde knapp, Kosten stiegen. Bund, Kantone und Unternehmen reagierten mit finanzieller Unterstützung. Das hilft Betrieben, akute Verluste zu überstehen. Doch Geld allein macht die Landwirtschaft nicht widerstandsfähiger gegenüber dem nächsten Extremsommer. Darum sollten wir uns fragen: Wer trägt die Kosten des Klimarisikos – und wofür werden die öffentlichen Mittel eingesetzt?

Auf einen Extremsommer folgen aussergewöhnliche Geldströme

Der Sommer 2026 war der heisseste seit Messbeginn 1864. Besonders ausgeprägt waren die lang anhaltenden Hitzeperioden: Im Mittelland blieben die Niederschläge deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, Böden trockneten aus und vielerorts fehlte Wasser.

Die Folgen reichen weit über die Ernte hinaus. Manche Betriebe mussten ihre Winterfutterreserven bereits im Sommer anbrauchen, Tiere früher von der Alp zurückholen oder zusätzliches Futter zukaufen. Im Ackerbau litten insbesondere Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben. Bei einzelnen Kulturen wurden Ertragseinbussen von bis zu 30 Prozent berichtet.

Für die Betriebe kam einiges zusammen: Sie ernteten weniger und mussten gleichzeitig mehr Geld für Futter, Bewässerung oder zusätzliche Arbeit aufwenden. Was im Sommer fehlt, kann auch im nächsten Jahr noch zu Buche schlagen – etwa wenn Futtervorräte fehlen oder Rechnungen bezahlt werden müssen, obwohl die Einnahmen tiefer ausfallen.

Soforthilfen sind gerechtfertigt – bis zu einem gewissen Punkt

Wenn ein Extremereignis viele Betriebe gleichzeitig trifft und ihre Existenz gefährdet, ist gezielte Nothilfe gerechtfertigt. 2026 kamen dafür unterschiedliche Instrumente zum Einsatz: Der Bund stellte zinslose Überbrückungskredite bereit und erleichterte zeitweise Futterimporte. DerKanton Freiburg sprach zehn Millionen Franken Soforthilfe. In der Waadt wurde eine Unterstützung von bis zu 30 Millionen Franken für Viehbetriebe politisch beantragt. Die fenaco stellte einen ausserordentlichen Trockenheitsbeitrag von 7,2 Millionen Franken bereit, die Migros zwei Millionen Franken für Härtefälle.

"Problematisch wird es, wenn wiederholt dieselben Risiken finanziert werden, ohne dass sich an den Ursachen etwas ändert."

Diese Beträge erfüllen unterschiedliche Zwecke. Beiträge, die nicht zurückbezahlt werden müssen, können einen Teil der Verluste dauerhaft auffangen. Zinslose Kredite verschaffen dagegen vor allem Luft: Das Geld steht vorübergehend zur Verfügung, muss später aber zurückbezahlt werden. Erleichterte Futterimporte wiederum helfen, Engpässe zu überbrücken. Sie lösen jedoch nicht das Problem, dass auch im Ausland Trockenheit herrschen kann und die Schweiz damit von den verfügbaren Mengen auf anderen Märkten abhängig bleibt.

Soforthilfe ist deshalb kein Ersatz für Klimaanpassung oder Klimaschutz. Sie ist sinnvoll, wenn sie existenzbedrohende Schäden abfedert, nach nachvollziehbaren Kriterien verteilt wird und Überentschädigungen vermeidet. Problematisch wird es, wenn wiederholt dieselben Risiken finanziert werden, ohne dass sich an den Ursachen etwas ändert. Dann wird zwar der nächste Schaden bezahlt, die Gefahr eines weiteren aber kaum kleiner.

Weshalb bleiben die Lebensmittelpreise im Laden weitgehend stabil?

Bei Aldi, Migros & Co haben Konsumentinnen und Konsumenten vom Ausmass der Schäden kaum etwas gespürt. Fehlen beispielsweise Schweizer Kartoffeln, können Importe einen Teil der Lücke schliessen. Grenzschutz und Marktmechanismen dämpfen ausserdem Preissprünge. Das ist im Laden zwar angenehm, führt hinter den Kulissen aber dennoch zu versteckten Kosten.

Adrian Aebi, Chef des Agrarversicherers Schweizer Hagel, warnt deshalb: «Wenn steigende Klimarisiken und Kosten bei den Produzenten verbleiben, sich aber kaum in den Preisen niederschlagen, funktioniert das System auf Dauer nicht.»

Importe sind ein wichtiges Mittel, um die Versorgung zu sichern. Sie garantieren aber nicht, dass einheimische Betriebe wirtschaftlich über die Runden kommen. Und sie können die Folgen von Ernteausfällen nicht beliebig abfedern, wenn andere Länder ebenfalls unter Hitze und Trockenheit leiden. Eine gewisse Schwankung bei Angebot und Preisen kann deshalb notwendig sein: Sie macht sichtbar, dass Lebensmittelproduktion von Wetter, Ressourcen und Kosten abhängt.

"Eine gewisse Schwankung bei Angebot und Preisen kann deshalb notwendig sein: Sie macht sichtbar, dass Lebensmittelproduktion von Wetter, Ressourcen und Kosten abhängt."

Soforthilfe ersetzt keine Anpassung

Dass Geld nach diesem Hitzesommer ausbezahlt wird, ist nicht per se falsch. Aber die Kompensationen dürfen nicht dazu führen, dass in unserem Land ungeeignete oder ressourcenintensive Produktionsweisen unverändert weitergeführt werden.

Öffentliche Mittel sollten deshalb zwei Aufgaben erfüllen:

  • Akut helfen: Existenzbedrohende Schäden abfedern.
  • Langfristig anpassen: Investitionen fördern, welche die Verwundbarkeit gegenüber Hitz und Trockenheit tatsächlich senken.

Dazu gehören wasserspeichernde Böden und Landschaften, standortgerechte und trockenheitstolerante Kulturen, angepasste Kulturtechniken und Humusaufbau. Vision Landwirtschaft und der Verein ohne Gift haben dazu im Sommer 2026 ein Impulspapier veröffentlicht: «Wie die Schweizer Landwirtschaft gegenüber Hitze und Trockenheit widerstandsfähiger wird».

Förderinstrumente und Direktzahlungen sollten deshalb möglichst an die Wirkung solcher Massnahmen geknüpft werden. Geld, das nur Schäden nachträglich ausgleicht, wiederholt die Verwundbarkeit. Geld, das in wirksame Anpassung investiert, verringert sie.

Die Kosten fair verteilen

Die Anpassung an den Klimawandel darf nicht allein den Landwirtschaftsbetrieben überlassen werden.

Eine faire Verteilung der Kosten erfordert daher klare Rollen:

  • Staat: ausserordentliche Schäden abfedern und langfristige Anpassung gezielt fördern.
  • Verarbeitung und Detailhandel: dafür sorgen, dass Produzentenpreise höhere Risiken und Anforderungen angemessen berücksichtigen.
  • Konsumentinnen und Konsumenten: akzeptieren, dass eine klimaangepasste Landwirtschaft mehr kostet und dass Importe nicht jedes Mal eine schlechte Ernte vollständig ausgleichen können.

Der Hitzesommer 2026 zeigt: Soforthilfen schützen Betriebe im akuten Notfall. Klimaanpassung schützt sie vor dem nächsten Ausnahmezustand. Öffentliche Gelder sollten daher nicht nur Schäden ausgleichen, sondern gezielt die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft stärken – damit der nächste Hitzesommer nicht erneut zur Existenzfrage wird.

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Rebecca Knoth-Letsch

Geschäftsführerin

rebecca.knoth-letsch@visionlandwirtschaft.ch 079 886 28 97

"Die Landwirtschaft ermöglicht uns ein gutes Leben, indem sie Nahrungsmittel produziert. Gleichzeitig trägt sie eine grosse Verantwortung für unsere Lebensgrundlagen."

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