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Mercosur-Abkommen: Sind die Ausgleichszahlen an die Bauern wirklich berechtigt?

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Das Mercosur-Freihandelsabkommen ist für die Schweiz wirtschaftlich sinnvoll, bringt aber auch zusätzliche Konkurrenz für die Landwirtschaft. Vision Landwirtschaft befürwortet das Abkommen grundsätzlich – fordert aber, dass Ausgleichszahlungen dem tatsächlich entstehenden Schaden entsprechen und Importe an verbindliche ökologische, soziale und menschenrechtliche Standards geknüpft werden.

Worum geht es in der Diskussion?

Das Abkommen soll den Handel zwischen der Schweiz und den Mercosur-Staaten erleichtern und Zölle deutlich reduzieren[1]. Für die Schweizer Wirtschaft und Teile der Landwirtschaft eröffnet es neue Exportchancen[2]. Gleichzeitig können zusätzliche Importe die Schweizer Landwirtschaft unter Preisdruck setzen. Umstritten ist deshalb vor allem, wie stark die Landwirtschaft tatsächlich betroffen ist und wie viel der Staat dafür als Ausgleich zahlen soll. Während der Schweizer Bauernverband hohe finanzielle Begleitmassnahmen fordert, stellt Vision Landwirtschaft die Frage, ob diese Zahlungen dem tatsächlich zu erwartenden wirtschaftlichen Schaden entsprechen.

Die Forderung nach zusätzlichen Steuergeldern lässt sich auch politisch erklären: Der Schweizer Bauernverband verfügt über eine starke politische Stellung und kann dadurch erheblichen Druck auf die Ausgestaltung der Begleitmassnahmen ausüben. Entscheidend sollte jedoch nicht der politische Druck, sondern der tatsächlich entstehende wirtschaftliche Schaden sein. Vision Landwirtschaft ordnet die agrarpolitischen Elemente ein:

Was ist MERCOSUR

MERCOSUR ist der Wirtschaftsverband von Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Zudem verhandelt auch die Schweiz nicht alleine mit diesen Staaten, sondern mit den EFTA-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein.

Vorteile:

Freihandelsabkommen sind für die Schweiz wichtig. Als stark exportorientiertes Land profitiert die Schweizer Wirtschaft von besseren Zugängen zu ausländischen Märkten[3]. Auch die Landwirtschaft erhält neue Exportmöglichkeiten, etwa für Käse[4]. Zudem schützt das Abkommen 110 Schweizer Herkunftsbezeichnungen vor Nachahmung in den Mercosur-Staaten[5].

Freihandelsabkommen können zudem ökologische, soziale und menschenrechtliche Anforderungen an den Handel mit anderen Ländern festlegen. Beim Mercosur-Abkommen gehen diese Vorgaben aus Sicht von Vision Landwirtschaft allerdings noch zu wenig weit.

Nachteile und Ausgleichszahlungen:

Für einzelne Landwirtschaftsbereiche bedeutet das Abkommen zusätzliche Konkurrenz durch günstigere Importe. Deshalb fordert der Schweizer Bauernverband umfangreiche finanzielle Begleitmassnahmen. Seine Forderung liegt inzwischen bei 657 Millionen Franken[6]. Die Aussenpolitische Kommission des Ständerats schlägt 517 Millionen Franken für die Jahre 2028 bis 2033 vor[7].

Vision Landwirtschaft anerkennt, dass zusätzliche Konkurrenz für einzelne Betriebe wirtschaftliche Folgen haben kann. Ausgleichszahlungen müssen sich aber am tatsächlich entstehenden Schaden orientieren – nicht am politischen Druck. Sie sollten deshalb zeitlich begrenzt und während der Umsetzung des Abkommens überprüft werden.

Wie gross der zusätzliche Schaden tatsächlich ist, zeigt beispielhaft das Schweinefleisch: Die Mercosur-Staaten sollen jährlich lediglich 200 Tonnen Schweinefleisch zusätzlich zollfrei in die Schweiz liefern können. Das entspricht rund 1,2 Prozent der heutigen Schweinefleischimporte und nur rund 0,1 Prozent des gesamten Schweizer Angebots[8]. Von einem massiven zusätzlichen Importdruck kann hier kaum die Rede sein. Auch die bisherigen Einschätzungen von BLW und Agroscope gehen von einem vergleichsweise kleinen Einkommenseffekt für die Landwirtschaft aus[9].

Die Haltung von Vision Landwirtschaft:

Vision Landwirtschaft befürwortet das Mercosur-Abkommen grundsätzlich. Freihandel darf aber nicht auf Kosten von Umwelt, Menschenrechten und Sozialstandards gehen. Für importierte Agrarprodukte braucht es deshalb verbindliche ökologische, soziale und menschenrechtliche Anforderungen.

Und: Die Landwirtschaft soll für tatsächlich entstehende Schäden entschädigt werden – aber nicht pauschal und nicht über den tatsächlichen Schaden hinaus. Die Begleitmassnahmen müssen sich an den realen Auswirkungen des Abkommens orientieren und entsprechend überprüft werden.

Freihandel ja – aber fair für die Landwirtschaft, die Umwelt und die Menschen.


Quellen:
[1]
Freihandelsabkommen Schweiz/EFTA – Mercosur

[2] Modellrechnung: +55% bis 2040 gegenüber einem Szenario ohne Abkommen (Freihandelsabkommen Schweiz/EFTA – Mercosur)

[3] Freihandelsabkommen EFTA-Mercosur: Positive Signalwirkung

[4] Freihandelsabkommen EFTA-Mercosur: Positive Signalwirkung

[5] Inhalt der Freihandelsabkommen der Schweiz

[6] 500 Millionen für die Bauern: So sieht der Mercosur-Rettungsplan aus

[7] Mercosur: 517 Millionen für Landwirtschaft sollen Zustimmung bringen - Der Schweizer Bauer

[8] Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten (Stand 02.07.2025) - Proviande

[9] admin.ch/de/nsb?id=79669

Medienbeiträge:

Reaktionen auf die ständerätlichen Vorschlag

  • Bauern setzten sich mit Forderungen bei Mercosur-Abkommen durch - Audio
  • Mercosur Deal: 517 Millionen Franken für Schweizer Landwirtschaft - News - SRF
  • Mercosur: 517 Millionen für Landwirtschaft sollen Zustimmung bringen - Schweizer Bauer
  • Ständeratskommission will Bauern mit 517 Millionen besänftigen - BaZ

Informationen über Freihandelsabkommen

  • Mercosur - Freihandelsabkommen, unterzeichnet am 16.09.2025. - SECO
  • Agarpolitik - der Podcast: Freihandelsabkommen mit Thomas A. Zimmermann
  • Freihandel - Schweizer Bauernverband
  • Factsheet EFTA-Mercosur: Güterhandel

Wo stehen die Verhandlungen über MERCOSUR momentan?

Am 16. September 2025 haben die EFTA- und Mercosur-Staaten das Freihandelsabkommen unterzeichnet. In der Sommersession 2026 hat der Nationalrat die Vorlage abgelehnt. Dabei kam es zu einer seltenen Koalition (unheilige Allianz). Links-Grün unterstützte den Vertrag aufgrund mangelnder Umwelt- und Tierauflagen nicht, während die Schweizer Landwirtschaft die Vorlage wegen der zusätzlichen Kontingente, welche ausserhalb der WTO-Kontingente sind, ablehnte.

Am 04.09.2026 machte die ständerätliche Kommission einen neuen Vorschlag, damit das Abkommen trotzdem zustande kommen könnte: Es sollen 517 Millionen in den Jahren 2028 bis 2033 für die Schweizer Landwirtschaft als sogenannte “Ausgleichszahlungen” gesprochen werden. Andere Anträge von Rot-Grün wurden in der Kommission abgelehnt. Darüber wird in der Herbstsession 2026 zuerst im Ständerat und dann im Nationalrat abgestimmt. Die linke Seite hat beim Verbleib des jetzigen Vorschlages versichert, dass sie das fakultative Referendum ergreifen werden, um das Freihandelsabkommen vor das Volk zu bringen.

Foto Website Sandor Schweikert Foto Website Sandor Schweikert

Sandor Schweikert

Trainee Agrarpolitik

sandor.schweikert@visionlandwirtschaft.ch 0797287334

"Eine zukunftsfähige Landwirtschaft soll eine nachhaltige Bereicherung für alle Betroffenen sein: sowohl für die Landwirt:innen, wie auch für die Böden und die Konsument:innen."

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